(04.04.06/lp) Als Dr.Gay am Arbeiten war - an einem Donnerstag auf gaynet.ch - haben wir ihn ausgefragt. Er fand immer wieder Zeit für unsere Fragen und antwortete sogar mit Tipps.

Zum welchem Thema werden dir die meisten Fragen gestellt? Sprich: Auf welchem Gebiet herrschen die meisten Unsicherheiten?
Die meisten Unsicherheiten sind im Bereich HIV und Oralverkehr. Oft wird erwartet, dass der Lusttropfen ansteckend ist. Dem ist nicht so. Der orale Genuss wird erst zum Risiko wenn der Sexualpartner abspritzt, also wenn Sperma in den Mund kommt. Andererseits birgt der Oralverkehr bei anderen sexuell übertragbaren Infektionen - wie z.B. der Syphillis - auch Gefahren. An zweiter Stelle stehen Fragen rund um das Coming-out.

Gibt es Situationen wo du sagen musst: "Muss ich zuerst abklären?"
Ja. Das kommt vor, z.B. bei komplexen medizinischen Fragen. Wichtig ist zu wissen, dass der Dr.Gay ein Team von Fachkräften ist. Wenn ich mal an meine fachlichen Grenzen komme, kann ich auf verschiedene Personen zurückgreifen.

Ist PEP ebenfalls ein Thema?
PEP ist im Chat selten ein Thema. Bei Anfragen geht es meistens um den Zeitfaktor: Wie lange nach dem Risikokontakt ist eine PEP-Behandlung noch möglich? Das wären übrigens maximal 72 Stunden, aber je eher, desto besser!

Wieso kommt es zu Ausrutscher, die zu einer Risikosituation führen?
Die Gründe sind vielfältig. Einerseits hat jeder das Gefühl, dass ihm nichts passieren kann. Anderseits ist HIV heute nicht mehr mit dem Tod verbunden. Viele bedenken nicht, dass die Medikamente die Lebensqualität sehr stark einschränken können. Aber Sexualität ist nun mal keine rationale Angelegenheit.

Hast du das Gefühl, dass Drogen auch eine Rolle spielen?
Bestimmt. Unter Drogen verändert sich die Selbstwahrnehmung sehr stark und man(n) lässt Einiges geschehen.

Die Gaysurvey-Studie besagt, dass junge Gays mit den Safer-Sex-Regeln nicht so genau umgehen...
Die ältere Generation weiss noch wie es ist, wenn jemand an Aids stirbt. Das kennen die jungen Gays nicht mehr. Dieses Angstbild existiert nicht mehr. Da ist die Aufklärung und Präventionsarbeit besonders gefragt.

Nenne uns ein Beispiel von einem Chat, der dir besonders negativ eingefahren ist...
Es gab da einen Typen, dem ich auf seine spezifisch medizinische Frage nicht sofort eine Antwort geben konnte. Ich musste ihn drei Tage vertrösten, um mit unserem beratenden Arzt über das Problem zu sprechen. Leider musste ich dann feststellen, dass dieser Typ mich auf die Schippe nimmt. Er stellt mir jede Woche die gleiche Frage.

Dr.Gay ist zugleich "die dargebotene Hand". Wie stark ist die Vermischung "Sexberatung" und "Psychologie"?
Gross. Oft kommen Fragen über Unsicherheiten bezüglich der eigenen Person oder Sexualität. Wir haben uns sogar mal um einen Vergewaltigungsopfer kümmern müssen.

Ist die krasse Steigerung der neuen positiven Fällen bei Gays auch ein Thema?
Nein. Ich werde nicht auf dieses Thema angesprochen. Die Fragen beziehen sich eher auf die Übertragungsrisiken.

Merkt man Unterschiede bei den Fragen, wenn es um die sexuellen Vorlieben geht. Sprich Bisexuelle, DWTs, Ledertypen und so weiter?
Ja. Bei Leder/Fetisch-Kerlen und TV's sind die Sexualpraktiken eher härter und oft auch mit mehr Risiko verbunden. Bei den Bisexuellen geht es oft um den Risiko des Partners.

Ist (bei den Gays) Seitensprung auch ein brennendes Thema?
Es ist nicht das Thema, ob man einen Seitensprung macht, sondern ob man(n) sich dabei schützt. Ich werde meistens dann angesprochen, wenn der "Ausrutscher" schon passiert ist und eine Syphilis oder Hepatitis eingefangen wurde. Bei mir fragen sie dann nach dem Weg, wie sie "es" beichten sollen.

Dein Schlusswort:
Ich kann nur alle die, die eine Frage zu Sexualität, HIV oder Coming-out haben, ermuntern, sich bei Dr.Gay zu melden, um die Unsicherheiten zu klären. Auf gayromeo, gaynet, purplemoon und boysworld sind wir immer donnerstags von 18:00-22:00 online direkt erreichbar. Oder jederzeit auf www.dr.gay.ch.