BODIES WITHOUT ORGANS
interview im gay.ch-büro
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Bild luis@gay.ch
BODY WITHOUT ORGANS: "Prototype"
Schweden ist immer für eine Überraschung gut. Ein bisschen Trash schadet nie. Griffig wie Alcazar, poppig wie ABBA. Der Spagat zwischen Electro-Pop und Disco ist perfekt. Lasst euch überraschen. Coole CD! Check www.bwo.ru
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Die wohl eindrücklichste Begegnung, die wir bisher hatten heissen BWO. Sie reisten extra aus Schweden an. Die neue schwedische Welle gibt Gas. Ganz ungeschminkt. Doch für die Fotos schmierte sich der Hetero Lip-Gloss an.

Als wir Alexander Bard trafen, sprach er wie ein Wasserfall. Kein Wunder. Als Ex-Frontmann von Army of Lovers «Crucified», als Manager von Alcazar und nun neu als Antreiber von BWO, hat der Gute einiges zu erzählen.

Electro-Pop und Dance
Macht schon mal Platz im CD-Regal, denn das neue Album vom BWO «Prototype» darf nicht darin fehlen! Der Mix aus Electro-Pop, Glamour und Disco wird die Herzen der Gays höher schlagen lassen. Spätestens nach der Kostprobe am CSD in Zürich wird alles klar sein. Es gibt eine Steigerung von Alcazar und Army of Lovers. An die Zeiten von «Crucified» erinnert sich Alexander nur bedingt gerne: «Die andere Mädels, die waren vielleicht Superdivas. Bin ich froh, ist diese Zeit vorbei.»

Hinten schwul, vorne Hetero
Alexander steht nun im Hintergrund und vorne spielen zwei Heteros mit: Martin Rolinski, gebürtiger Pole, Sänger und Keyboarderin Marina Shipetjekno, Halb-Ukrainerin. Und das ist gut so: «Meistens drängen sich die Schwulen nach vorne. Meine Heteros machen ihre Sache gut. Ich tüfftle lieber im Background und kann meine Liebe zur Technik richtig geniessen, was auch etwas untypisch Gay ist», sagt der bärtige Schwede und fügt hinzu: «Ein solche Mischung gibt es selten.»

ABBA soll man ABBA sein lassen
Natürlich war ein Thema unvermeidlich: ABBA. Und darüber sprach Alexander gerne. Zum Beispiel, als wir wissen wollten, welchen Song sie gerne von ABBA covern möchten: «Sorry, aber solche Juwelen soll man nicht anfassen. Und wenn man es schon nicht lassen kann, dann bitte Songs, die nicht so bekannt sie, wie zum Beispiel «The King Has Lost His Crown». Und er ist überzeugt, dass es das Beste ist, was ABBA tun konnten, niemals wieder gemeinsam auf einer Bühne aufzutreten: «Sie hätten nie so geklungen, wie damals».

Sturm durch Europa
In Schweden und Russland konnten BWO bereits grosse Erfolge verbuchen. Nun kommt der Rest von Europa an die Reihe. England haben sie sich bis jetzt aufgespart: «Grossbritannien ist ein wichtiger Markt. Wir möchten als eine Band, die bereits in Europa erfolgreich ist aufgenommen werden und nicht umgekehrt», meint Alexander weiter. Und auf die Schweiz freut sich besonders: «Am CSD können wir zusammen mit Alcazar auftreten. Das ist toll».

Sex an der Eurovision
Überhaupt hat er gute Erinnerungen an die Schweiz. Damals, als die Eurovision nach dem Sieg von Celine Dion in der Schweiz stattfand, war er als Komponist des schwedischen Beitrages mit dabei. Zu dieser Zeit hatte er Sex mit dem Sänger, der die Türkei vertat, liess er uns in einem witzigen Ton wissen. Ob wir das schreiben dürften?: «Seine Frau kann erstens nicht Deutsch, zweitens liest sie keine schwule Lektüre.» Und schon gibt er eins drauf: «Er hat mich gefragt, ob ich eine Schwester habe und ob die auch so hübsch sei wie ich. Plumper kann man jemand gar nicht anmachen!»

Karaoke sei Dank
Der Sänger Martin wurde in einer Karaoke-Bar entdeckt: "Ich war da schon etwas blau und habe mich dann auf das Mikrofon gestürzt. An diesem Abend war jemand da, der neue Talente gesucht hat. So kam in das ganze Business rein. Doch sie wollten mich in die Boy-Gruppen-Schiene hinein zwängen", erzählt uns der Frontmann, mit der Engelstimme. Schliesslich verschickte er vor lauter Frust eine Aufnahme an Alexander Bard. Dieser war so begeistert, dass er ihn ohne Augenzwinkern in seine neues Projekt aufnahm.

Hautkontakt am Interview
Die zwei Männer wissen auf die Frage, ob sie Seelenverwandt sind, sowieso nur eine Antwort: «Ja, klar». Martin geniesst das schwule Publikum: «Meine Freundin ist eine Fag-Hag (dt. Schwulen-Mutter) und Gays haben einen guten Musikgeschmack. Was willst du mehr?»

Als das Interview samt Foto-Session zu Ende war, wählten wir zu Dritt noch die besten Fotos aus. Als wir uns für die Titelseite entschieden haben, mussten die BWO-Männer lachen. Alexander meinte zynisch zu seinem Kollegen: «So nah waren wir uns körperlich bisher noch nie gekommen.» Martin lächelte verlegen.