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(13.12.09/mpi)
Die
Grande-Dame des Piano-Pop, Alicia Keys, hat sich letztes Jahr
Urlaub in der Karibik gegönnt und sich von dort die Ingredienz
fürs neue Studio-Album geholt: das Element ‚Freiheit’ ist zwar
auf keinem einzigen Periodensystem dieser Welt aufgeführt, aber
man kann es scheinbar hören. „The Element Of Freedom“ ist ein
leichtfüssiger Longplayer, der mit dem Element ‚Luft’ den
4-Elemente-Kanon der grossen Pianistin schliesst.
Man könnte meinen die bisher erschienen Studio-Alben klingen wie
die vier Elemente. „Songs In A Minor“ kommt mit seinen dunklen,
melancholischen und aufwühlenden Melodien dem Bedeutungsinhalt
von Wasser am nächsten. Auf dem Album „The Diary Of Alicia Keys“
wird ganz eindeutig Feuer entfacht. Ihr Klavierspiel ist
plötzlich dynamischer, furioser und findet in exquisiten Stücken
wie „If I Ain’t Got You“ seinen Höhepunkt. „As I Am“ ist so
geerdet wie eine solide Platte des Genres ‚Urban’ eben nur sein
kann. Klare, gradlinige Songstrukturen und ein gezügeltes
Temperament prägen das dritte Album der New Yorkerin. Mit „The
Element Of Freedom“ serviert Miss Keys nun ihre Interpretation
des bis an fehlenden Elementes Luft.
Tatsächlich
befinden sich auf der CD viele der spärlich arrangiertesten
Stücke. Es ist, als ob Alicia ihren Sound absichtlich auf ein
Minimum reduzieren wollte, um dem beabsichtigten Freiheitsgefühl
mehr Tragkraft zu verleihen. Ein Paradebeispiel stellt u.a. der
Titel „Wait Till You See My Smile“ dar. Der Song schwebt über
einem sphärischen Klangteppich und wird vom Stimmorgan der
Sängerin und einem Echoruf im Background getragen. Man merkt:
Alicia Keys wird zum ersten Mal von ihrem eigenen Sound
dominiert. Sie und ihr Piano verschmelzen mit anderen
Soundkomponenten und werden von diversen Klangströmungen
mitgerissen. Alicia Keys ist bloss noch Akteurin in ihrem
musikalischen Spiel. Sie hat die Regie an eine höhere Macht – in
dem Fall an die Tragkraft der Musik - abgetreten.
So klingt
also Luft. Berauschend, bildhaft und weitläufig. Kaum ein Song
auf dem Album lädt nicht zum Eintauchen in Gedanken ein. Bereits
der erste Titel „Love Is Blind“ klingt auf mitreissende Weise
schwammig. Er öffnet dem Zuhörer sofort das Tor in eine
gedankengetrübte Welt und lässt ihn dort während fast vier
Minuten verweilen. So verhält es sich eigentlich mit fast allen
Songs auf dem Album: sie wirken einfach, ohne dass man gross
darauf Einfluss haben könnte. Sie lassen viel Raum für eigenes
Empfinden und legen bloss das Grundgerüst durch den
musikalischen Rahmen fest.
Der einzige
Song der hier eher fehl am Platz scheint, ist das affektierte
Duett mit Beyoncé, was den Titel „Put It In A Love Song“ trägt.
Alleine die druckvolle Stimme von Frau Knowles will auf einem
Alicia Keys-Album dieses Kalibers nicht recht reinpassen. Der
Patzer sei jedoch verziehen, denn „The Element Of Freedom“ ist
an und für sich ein absolut gelungenes Werk. Mit Abstand die
ruhigste und gleichförmigste Platte der Soul-Sängerin, dafür
fehlt es ihr kein Stück an Ausdrucksstärke und Sogkraft.
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