(30.07.12/dom)
Zum Erstaunen aller äusserte sich der vietnamesische
Justizminister äusserst wohlwollend gegenüber den Anliegen von
Marriage Equality: Er ziehe es in Betracht bei der anstehenden
Überarbeitung des Eherechts auch gleichgeschlechtliche Paare
miteinzubeziehen.
Es war eine äusserst überraschende Ankündigung mit der wohl
kaum jemand gerechnet hat. Selbst langjährige Schwulenaktivisten
zeigten sich erstaunt darüber, als der vietnamesische
Justizminister Ha Hung Cuong angekündigt hat, dass im neuen
Eherecht auch die Anliegen der schwullesbischen Paare
mitberücksichtigt werden sollen. In einem Onlinechat, welcher
sowohl im nationalen Radio, wie auch vom nationalen
Fernsehsender übertragen wurde, erklärte er, dass er finde, dass
man sich, was die Menschenrechte betreffe, der Realität stellen
müsse. Die Zahl der Homosexuellen sei auf Hunderttausende
gewachsen, und dies seien nicht wenige. Sie würden
zusammenleben, ohne dass sie heiraten, und sie können auch
gemeinsamen Besitz haben, und daher müsse man ihnen auch eine
rechtliche Sicherheit geben. Diese neuen gesetzlichen Grundlagen
seien nötig, erklärte der Justizminister weiter, da nicht
zuletzt auch die Gerichte derzeit nicht wüssten, wie sie
Unstimmigkeiten zwischen schwullesbischen Paaren vor Gericht zu
beurteilen hätten.
Lange Zeit war Homosexualität in Vietnam, wie in vielen Ländern
des Fernen Ostens, ein grosses Tabu. Doch in den vergangenen
fünf Jahren hat sich einiges getan: Die staatlichen Medien,
welche die Thematik früher aufgrund des Ein-Parteiensystems des
Landes nicht aufzugreifen wagten, schreiben nun Artikel über
schwullesbische Themen, und am Fernsehen werden ebenfalls
entsprechende Beiträge ausgestrahlt. Ein Live Special wurde
sogar schon mit einem Fernsehpreis ausgezeichnet. Für den 5.
August ist in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi die erste Gay
Pride geplant. Während in anderen Ländern Asiens das Tabu nicht
zuletzt durch religiöse Gruppierungen aufrechterhalten wird, so
werden diese Tendenzen in Vietnam durch die übermächtige,
kommunistische Partei unterdrückt, was offenbar
überraschenderweise der LGBT-Community zu Gute zu kommen
scheint.
Doch trotz dieser positiven Anzeichen ist es auch in Vietnam
noch ein langer Weg: Die Ankündigung des Justizministers ist
erst der Anfang und ein entsprechendes Gesetz hat noch
zahlreiche Hürden zu nehmen. So hat Ha Hung Cuong weiter
erklärt, dass er für die Ausarbeitung des Gesetzes auch mit der
Bevölkerung zusammenarbeiten wolle um deren Anliegen
miteinzubeziehen. Ebenso sollen andere Ministerien um Rat
angefragt werden, bevor man den Gesetzesentwurf schliesslich dem
Parlament zur Abstimmung vorlegen wolle. Wie weit dieser Entwurf
dann in Bezug auf die Belange der Schwulen, Lesben und
Transgender tatsächlich gehen wird, wird sich zeigen…
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