(22.05.12/dom)
Im März wurde Dharun Ravi von einem Gericht in New Brunswick
im US-Bundesstaat New Jersey wegen „Hate Crime“ für schuldig
befunden – und nun wurde das Strafmass bekanntgegeben. Mit 30
Tagen Haft und drei Jahre auf Bewährung blieben die Richter
deutlich unter den Erwartungen.
Der Fall sorgte weit über die Grenzen der USA hinaus für
Schlagzeilen. Dharun Ravi (Bild) und Tyler Clementi teilten sich
an der Rutgers University im US-Bundesstaat New Jersey ein
Zimmer. Ravi, ein versierter Informatiker, installierte im
Zimmer, ohne Wissen von Clementi, eine Webcam. Als Tyler sich
für ein Date mit einem anderen Mann in das Zimmer zurückzog und
Ravi bat, allein sein zu können, filmte dieser das ganze
Geschehen im Zimmer und verbreitete es via Internet. Via SMS und
Twitter machte er zudem seine Kollegen darauf aufmerksam. Tyler
Clementi wurde damit zum Gespött der Schule, und er wurde massiv
gemobbt. Nur wenige Tage nach dem Vorfall machte er daraufhin
seinen letzten Facebook-Eintrag: Er werde sich von der
George-Washington-Bridge in New York stürzen. Jede Hilfe kam zu
spät und die Polizei konnte nur noch die Leiche des damals
18-Jährigen bergen. Der Fall schlug hohe Wellen und sogar
US-Präsident Barack Obama meldete sich diesbezüglich zu Wort und
machte auf das Thema „Bullying“ aufmerksam.
Im März wurde nun ein vorläufiges Urteil gefällt: Dharun Ravi
wurde in fünfzehn Anklagepunkten für schuldig befunden (gay.ch
berichtete), darunter dass er ein Hassverbrechen begangen
habe, die Privatsphäre von Tyler ohne dessen Wissen verletzte,
dass er ihn eingeschüchtert habe und schlussendlich auch
versucht habe, die Beweise zu vertuschen. Die Schuld am
Selbstmord sah das Gericht allerdings nicht als erwiesen an.
Damals, bei der Urteilsverkündung war von einem Strafmass von
bis zu zehn Jahren Haft und einer möglichen Ausweisung in seine
Heimat Indien die Rede. Gestern wurde nun das tatsächliche
Strafmass bekanntgegeben, und die Richter blieben weit unter den
Erwartungen zurück. So soll Ravi für dreissig Tage ins
Gefängnis, und anschliessend noch 300 Stunden gemeinnützige
Arbeit leisten. Im Weiteren muss er sich einer Beratung über die
Gefahren von Cyber-Mobbing unterziehen, einer Institution 10‘000
Dollar spenden und zusätzlich noch eine Busse von 1‘900 Dollar
bezahlen. Danach gelten zudem noch drei Jahre Haft auf
Bewährung. Den Migrationsbehörden empfahl der Richter, dass
Ravi, welcher keinen amerikanischen Pass besitzt, nicht
ausgeschafft werden solle. In ihrer Urteilsbegründung zeigten
sich die Richter allerdings enttäuscht über das Verhalten von
Dharum Ravi, dass er sich während dem ganzen Prozess nie zu
einer Entschuldigung habe durchringen können. Die
Staatsanwaltschaft hat mittlerweile bereits Berufung
angekündigt, da sie das Urteil nicht akzeptieren und
weiterziehen wollen.
Die Eltern von Tyler, Jane und Joe Clementi, haben im Namen
ihres Sohnes eine Foundation gestartet, mit welcher die
Akzeptanz von schwullesbischen Jugendlichen gefördert werden
soll. Zudem sollen die Jugendlichen bei ihrem Coming-out-Prozess
unterstützt werden. Im vergangenen Dezember haben sie sich zudem
erstmals öffentlich in einem Interview geäussert (gay.ch
berichtete)...
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