(24.03.11/dom)
Es ist ein kontrovers diskutiertes Thema bei den United
Nations: Die Rechte für Schwule, Lesben und Transgender. Zuerst
adressierte die USA ein entsprechendes Postulat an die UN, dass
die Organisation direkt eingreifen solle um gegen die
Diskriminierungen von LGBTs vorzugehen, doch dann meldete sich
auch der Vatikan mit einer genau gegenteiligen Forderung: Gerade
Länder, welche Schwule, Lesben und Transgender kritisieren
sollen geschützt werden, weil sie diejenigen seien, welche immer
attackiert werden.
Am Dienstag brachte die USA eine Erklärung vor dem
Menschenrechtsrat in Genf hervor, mit der Forderung, dass die UN
sich direkt dafür einsetzen solle, dass die Rechte der Schwulen,
Lesben und Transgender besser geschützt werden. Obwohl es keine
bindende Resolution ist, an welche sich die Mitglieder der
Vereinten Nationen zwingend halten müssen, versprechen sich die
USA eine massive Verbesserung der rechtlichen Situation um gegen
die Diskriminierung von LGBTs vorzugehen. Mit den USA
unterstützen rund 80 weitere Staaten diese Erklärung. Durch
kräftiges Lobbieren schaffte es die USA auch einige neue Länder
von ihren Anliegen zu überzeugen. Es wird erwartet, dass über
die Vorlage noch in diesem Jahr in der UN abgestimmt werden
kann.
In der Erklärung fordern die USA unter anderem, dass die
einzelnen Staaten die Kriminalisierung von Schwulen, Lesben und
Transgender beenden sollen. Zudem sollen die United Nations
verstärkt überprüfen, ob die UN-Menschenrechtserklärung von den
Regierungen auch in Bezug auf LGBTs eingehalten werde. Es sei
ihnen klar, dass dies für zahlreiche Länder ein sehr heikles
Thema sei, doch diese Menschen müssen von Diskriminierungen
aufgrund ihrer sexuellen Orientierung befreit werden, heisst es
weiter. Suzanne Nossel, die Delegierte für Internationale
Organisationen des amerikanischen Aussenministeriums drückte
ihre Besorgnis darüber aus, dass überall auf der Welt immer
wieder Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung oder ihrer
Geschlechtszugehörigkeit getötet, verhaftet oder gewaltsam
attackiert werden. Dies dürfe nicht toleriert werden.
Die jetzige Haltung der US-Regierung der hat sich total
gewandelt gegenüber damals unter US-Präsident George W. Bush. Im
Jahr 2008 hat die USA nämlich unter anderem zusammen mit China,
Russland, dem Vatikan und den islamischen Staaten einen ähnlich
Vorschlag boykottiert, welchen Frankreich an die
UN-Generalversammlung gerichtet hat. Die US-Regierung begründete
damals ihre Haltung mit Bedenken ob der Formulierung, welche
verwendet wurde. Sie hätten Angst, dass dann die Rechte der
einzelnen US-Bundesstaaten plötzlich beschnitten würden, in dem
sie gegen ihren Willen Gesetze wie etwa die so genannte Homo-Ehe
hätten einführen müssen. Selbst im vergangenen Dezember hat
Amerika unter Obama sich noch der Stimme enthalten, als es um
eine ähnliche Vorlage ging. Damals mit der Begründung, dass man
generell das Töten von Minderheiten verurteilen solle, und nicht
nur spezifisch jene, welche aufgrund ihrer sexuellen
Orientierung umgebracht werden. Aus diesem Grund ist es nun umso
erfreulicher, dass die USA diesbezüglich eingelenkt haben und
gleich selber eine Erklärung in diese Richtung lancieren.
Alles andere als erfreut über die jüngsten Entwicklungen zeigte
sich der Vertreter des Vatikans. Der Kirchenstaat nimmt die
total gegenteilige Haltung ein im Vergleich zu den USA. So
erklärte dessen Diplomat gegenüber dem UN-Menschenrechtsrat,
dass viel eher jene attackiert werden, welche Kritik an den
Schwulen, Lesben und Transgender üben. Die Römisch-Katholische
Kirche glaube daran, dass die menschliche Sexualität ein
Geschenk sei, welches für verheiratete, heterosexuelle Paare
reserviert sei. Doch wenn man diese Position vertrete und den
Sex zwischen Menschen des gleichen Geschlechts nicht
unterstütze, dann werde man regelrecht attackiert. Wenn man
seine Moral oder seinen Glauben diesbezüglich ausdrücke, dann
werde man stigmatisiert oder noch schlimmer, gar verunglimpft
oder bestraft, fügte er hinzu. Diese Attacken würden die
grundlegenden Menschenrechte verletzen und dürfen unter keinen
Umständen gerechtfertigt werden.
Mit diesen Argumenten versucht die Katholische Kirche sich nun
selber als Opfer zu positionieren, obwohl gerade von der Kirche
immer wieder missionarische Attacken gegen Schwule, Lesben und
Transgender ausgehen. Von den tausenden Geistlichen, deren
Verbrechen an Kindern und Jugendlichen erst langsam an die
Öffentlichkeit gelangen, war selbstverständlich in der
Stellungnahme des Vatikans einmal mehr nicht die Rede. |