(26.07.12/dom)
Trotz Protesten lässt sich die mit absoluter Mehrheit
regierende „Scotish National Party“ nicht davon abbringen, die
Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Damit wird
Schottland der erste Teil von Grossbritannien, welcher Marriage
Equality einführt.
Es ist nur eine Frage der Zeit, denn dass Marriage Equality
in Schottland eingeführt ist, ist so gut wie sicher. Nicht nur
die „Scotish National Party“ (SNP), welche derzeit mit einer
komfortablen, absoluten Mehrheit regiert, hat sich nämlich für
das Anliegen ausgesprochen, sondern auch sämtliche
Oppositionsparteien haben grünes Licht gegeben und signalisiert,
dass sie im Parlament der Öffnung der Ehe zustimmen werden. Dazu
haben die Konservativen, Labour, die Liberaldemokraten und die
Grünen bereits im Februar unter dem Titel „Equality Network“
eine Erklärung unterschrieben, mit welcher die Absicht
schriftlich festgehalten wurde, dass die LGBTI-Community
rechtlich absolut gleichgestellt wird. Der schottische
Vizeministerpräsident, Nicola Sturgeon von der SNP, hat nun
gegenüber der „BBC“ offiziell bestätigt, dass sie einen
entsprechenden Gesetzesentwurf ausarbeiten und dem Parlament
vorlegen werden. Damit würde Schottland der erste Teil von
Grossbritannien, welcher die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare
öffnet. Das neue Gesetz wird dann das bislang geltende
Partnerschaftsgesetz ablösen.
Alles andere als erfreut über diese Ankündigung waren die
Kirchen: Mit wahren Kraftausdrücken warf etwa der oberste
Vertreter der katholischen Kirche Schottlands, Keith Michael
Patrick O’Brien, in den Medien um sich. So griff er via dem
„Sunday Telegraph“ die Regierung frontal an und sprach in Bezug
auf die Ehe für schwullesbische Paare von einem grotesken
Irrsinn, und warf der Regierung vor, unaufrichtig zu sein. Die
Gesetzesinitiative zur Öffnung der Ehe komme zudem der
Zerstörung der allgemein anerkannten Menschenrechte gleich,
wetterte er weiter. Auch die „Kirche von Schottland“ zeigte sich
wehrhaft gegen Marriage Equality.
Wie der genaue Gesetzesentwurf, welcher die „Scotish National
Party“ vorlegen wird, schlussendlich aussehen wird, ist noch
offen. So gibt es gerade bezüglich der Kirche noch einige
kritische Punkte. So stellt sich die Frage, ob man die Kirchen
per Gesetz dazu verpflichten will, dass sie die Ehezeremonien
auch für gleichgeschlechtliche Paare durchführen müssen. In
diesem Punkt ist man sich auch innerhalb der SNP offenbar nicht
einig. Bislang hat die Regierung stets die Haltung vertreten,
dass keine Religionsgemeinschaft gezwungen werde, die Homo-Ehe
zu vollziehen. Doch dies scheint offenbar doch noch nicht in
Stein gemeisselt zu sein. Auch unklar ist es, welche
Auswirkungen dieses Gesetz auf das restliche Grossbritannien
haben wird. Ob in Schottland geschlossene Ehen dann überall ihre
Gültigkeit haben etwa, oder ob man gleichgeschlechtlichen Paaren
aus anderen Teilen des UK auch die Eheschliessung in Schottland
ermöglichen will. Dies wird wohl aber nur in einer
Übergangsphase nötig sein, denn auch der amtierende, britische
Premierminister David Cameron hat angekündigt, dass er Marriage
Equality einführen möchte. Es wird erwartet, dass das
schottische Parlament sich noch in diesem Jahr für Marriage
Equality aussprechen wird, und dass schlussendlich im kommenden
Jahr die ersten Ehen von schwullesbischen Paaren geschlossen
werden können.
Umfragen zufolge sprechen sich eine Mehrheit der Schotten und
Schottinnen für die Öffnung der Ehe aus, nämlich 64 Prozent. Die
Tendenz zeigt seit einigen Jahren deutlich nach oben. Unter
jenen Befragten, welche sich als gläubig bezeichnen, liegt der
Anteil bei rund 50 Prozent. Auch die SNP führte damals eine
Abstimmung durch, an welcher rund 50‘000 Teilnehmer verzeichnet
werden konnte. Dort sprach sich aber eine Mehrheit gegen
Marriage Equality aus: Dieses Resultat ist allerdings nicht
überraschend, da die Kirchen ihre Leute unglaublich zum
Teilnehmen an der Umfrage mobilisiert haben…
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