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UKRAINE: Ebenfalls Anti-Gay-Propaganda-Gesetz geplant
family image(25.07.12/dom) Bis zu fünf Jahre Gefängnis soll all jenen drohen, welche sich in der Ukraine öffentlich positiv über Homosexualität äussern. Was in St. Petersburg und anderen russischen Provinzen so ähnlich bereits Realität ist, soll nun auch in der Ukraine eingeführt werden – einfach mit noch drakonischeren Strafen!

„Brokeback Mountain“ dürfte nicht mehr ausgestrahlt werden, „L-Word“ ebenso wenig. Die Gay Pride würde nun nicht mehr nur durch die Willkür der Behörden verboten, sondern neu gar per Gesetz, und auch an den Schulen und in den sonstigen Medien ist jegliches positive Darstellen von Homosexualität unter Strafe verboten. Eine Gruppe von Parlamentariern hat sich dafür St. Petersburg (gay.ch berichtete) als Beispiel genommen und nun einen ähnlichen Gesetzesvorstoss lanciert. Doch die Initianten hielten sich dabei nicht zurück, und setzten die Strafen drastisch nach oben. Während es in Russland zu hohen Geldstrafen – maximal 33‘000 Franken - kommen kann, sind in Ukraine sogar bis zu fünf Jahre Haft als Höchststrafe vorgesehen. Ob das Gesetz schlussendlich tatsächlich Chancen hat im Parlament ist zum jetzigen Zeitpunkt noch schwer abzuschätzen. So hat sich etwa der amtierende Präsident Viktor Yanukovych noch nicht dazu geäussert. Die Tatsache, dass jedoch sein Vertreter im Parlament, Yuri Meroshnichenko, sich positiv für das Gesetz ausgesprochen hat, zeigt, dass wohl auch der Präsident dafür sein wird.

Das Argument in Bezug auf einen zukünftigen Beitritt zur Europäischen Union wollen die Initianten nicht gelten lassen. Sie erklärten, dass die immer grösser werdende Akzeptanz für LGBTI-Rechte im Westen keine Weiterentwicklung sei, sondern ein Rückschritt. Möchte sich die Ukraine tatsächlich als Kandidat für einen EU-Beitritt positionieren, so müssen sie auch die Rechte der Schwulen, Lesben und Transgender schützen. Dies hat die EU erst vor kurzem wieder deutlich unterstrichen (gay.ch berichtete). Doch den Initianten scheint dieser Umstand egal zu sein.

Verschiedenste Menschenrechtsorganisationen in der Ukraine zeigten sich schockiert ob dem Gesetzesentwurf. Es sei ein massiver Rückschritt hin zu Sowiet-Zeiten, als Homosexualität noch verboten war, erklärten sie in einer Stellungnahme. Sie geben auch zu bedenken, dass dies für die sonst schon steigenden HIV-Neuinfizierungen alles andere als förderlich sei, da durch das Gesetz die Aufklärung verunmöglicht wird und die Homosexuellen weiter in den Untergrund gedrängt werden. Auch die Verantwortlichen des Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen verurteilten die Pläne scharf und sprachen von staatlich verordneter Diskriminierung.

Das nun ausgearbeitete Gesetz steht auch in Zusammenhang mit der im Mai von den Organisatoren abgesagten Gay Pride. Nach massiven Drohungen gegen die Teilnehmer befürchteten sie gewaltsame Ausschreitungen und sagten deshalb den Demonstrationszug ab. Zwei Schwulenaktivisten wurden zudem in den vergangenen Monaten brutal angegriffen und verprügelt. Wann das Gesetz schlussendlich zur Abstimmung im Parlament kommen wird ist noch nicht klar. Die Initianten hoffen aber, dass es noch vor den Parlamentswahlen im Oktober sein wird. Dieser Fakt, dass Wahlen anstehen, dürfte das Klima in der Ukraine daher noch weiter vergiften. Homophobie ist dort, wie in praktisch allen ehemaligen Staaten der Sowjetunion, weit verbreitet und eignet sich leider bestens zum Stimmenfang…
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