(09.01.12/dom)
Die Sozialisten sind im vergangenen Jahr als Regierungspartei
abgelöst worden, damit schöpft nun auch die katholische Kirche
neue Kraft und meldet sich mit abstrusen Theorien zu Wort. Der
Bischof von Córdoba spricht von einer Verschwörung innerhalb der
UN, welche innert 20 Jahren die Hälfte der Weltbevölkerung
schwul machen wolle, und der Erzbischof von Madrid wettert vor
einer halben Millionen Menschen, dass die Familie in Spanien
gefährdet ist.
Es sind abstruse Theorien, mit welchen sich einige
Kirchengrössen in Spanien derzeit an die Öffentlichkeit wenden.
So sprach der Erzbischof von Madrid und Vorsitzender der
Spanischen Bischofskonferenz, Antonio María Rouco Varela, vor
angeblich 500‘000 Gläubigen an einem Kirchentag unter dem Motto
„Christliche Familien: Die Hoffnung für Europa“. Organisiert
wurde das erste solche Treffen seit die konservative Partido
Popular in der vergangenen Woche die Regierungsgeschäfte
übernahm von der Bischofskonferenz und von katholischen
Organisationen und rund 30 Bischofe aus ganz Spanien waren vor
Ort, zudem meldete sich der Papst mit einer Grussbotschaft an
die Teilnehmer.
Antonio María Rouco Varela sprach in seiner Predigt davon, dass
die Familie attackiert werde in Spanien. Abtreibung und
Sterbehilfe sei eine viel grössere Krise für Europa, erklärte er
weiter, als die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise. Dabei
forderte er, dass die Gesetze rund um Abtreibung, sowie auch die
gleichgestellte Ehe für gleichgeschlechtliche Paare, wie sie
unter den zuvor regierenden Sozialisten eingeführt wurden,
wieder aufgehoben werden sollen. Dies dürfte wohl der erneute
Beginn der katholischen Kirche sein, den Druck auf die Homo-Ehe
zu erhöhen. Durch den Wahlsieg der konservativen Partido Popular
am 20. November des vergangenen Jahres dürfte die Kirche
diesbezüglich wieder neue Hoffnungen geschöpft haben, um dieses
Anliegen verwirklichen zu können.
Eine weit abstrusere Theorie äusserte der Bischof von Córdoba,
Demetrio Fernández, nur wenige Tage zuvor. Er sprach von einer
Verschwörung, welche derzeit innerhalb der UN im Gang sei. Dies
sei ihm kürzlich in Saragossa vom Familienminister der
päpstlichen Regierung, Kardinal Antonelli, zugetragen worden. So
existiere in der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen
für Erziehung, Wissenschaft und Kultur, ein Programm, nach
welchem in den nächsten zwanzig Jahren die Hälfte der
Weltbevölkerung schwul „gemacht“ werden solle. Dazu würden
konkrete Programme bestehen, mit welchen diese Ideologie bereits
an den Schulen verbreitet werde. Nach solch wilden Spekulationen
und wirren Theorien klingt es schon fast höhnisch, wenn der
Papst in seiner Botschaft an die Gläubigen in Madrid danach bei
den christlichen Familien als Hort von Respekt und Verständnis
spricht.
Der derzeit amtierende Premierminister Spaniens, Mariano Rajoy,
welcher seine Arbeit in der letzten Woche aufgenommen hat,
kündigte bereits an, dass er gewisse Gesetze von seinem
Vorgänger José Luis Rodríguez Zapatero wieder aufheben werde.
Dabei sprach er konkret von den Bestimmungen rund um Abtreibung,
welche von Zapatero auf den Stand der europäischen Mehrheit
gebracht wurde. Ob er auch die so genannte Homo-Ehe, welche
ebenfalls von Zapatero eingeführt wurde, widerrufen wird, ist
noch nicht bekannt, könnte leider aber durchaus im Bereich des
Möglichen liegen.
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