(21.04.11/dom)
Das Oberste Gericht in der serbischen Hauptstadt Belgrad hat
Mladen Obradovic, den Führer der ultrarechten Bewegung "Obraz"
zu zwei Jahren Haft verurteilt, weil er im Oktober des letzten
Jahres zu Gewalt gegen die Teilnehmer der Gay Pride aufgerufen
hat.
Es war die erste Gay Pride seit Jahren in Serbien, welche am
10. Oktober 2010 in Belgrad stattgefunden hat. Doch wie bereits
bei früheren Gay Pride in der Region, so artete der Anlass
erneut in wahren Strassenschlachten aus. Anders war jedoch, dass
die Polizei diesmal die Teilnehmer der Parade vor den
Ultranationalisten und den erzkonservativen Gegendemonstranten
schützten. Das Resultat waren schlussendlich zahlreiche
Verhaftungen und rund 140 Verletzte, vor allem Polizisten, sowie
enormer Sachschaden im Zentrum von Belgrad.
Diese Ausschreitungen hatten nun vor Gericht ein Nachspiel:
Mladen Obradovic wurde am Mittwoch als Führer der ultrarechten
Extremistengruppe "Obraz" zu einer Haftstrafe von zwei Jahren
verurteilt, weil es die Richter als erwiesen betrachten, dass er
und seine Organisation zu den gewaltsamen Gegendemonstrationen
aufriefen. Die Gruppe habe dabei auch vor massiver
Gewaltanwendung nicht halt gemacht und zu Hass und
Diskriminierung gegenüber den schwullesbischen Pride Teilnehmern
angestachelt, erklärten die Richter in der Urteilsbegründung.
Neben Mladen Obradovic wurden auch dreizehn weitere
Gegendemonstranten, welche selber Gewalt ausübten zu Haftstrafen
zwischen acht und achtzehn Monaten verurteilt.
Verschiedenste Gay Aktivisten und auch diverse Politiker haben
dieses Urteil als extreme wichtig bezeichnet, da es nicht
zuletzt das erste Mal sei, dass in Serbien die Diskriminierung
von Schwulen, Lesben und Transgender geahndet wird. Doch ein
Wehrmutstropfen bleibt, die ausgesprochenen Haftstrafen wurden
auch als zu milde beurteilt, und somit überwiege der symbolische
Charakter der Urteile gegenüber den eigentlich verhängten
Strafen. So erklärte etwa Marko Karadzic von der Demokratischen
Partei, dass die Strafen nicht entsprechend sind, wenn man die
Ausschreitungen betrachte, für welche die Gegendemonstranten
verantwortlich sind. Doch auch der verurteilte Mladen Obradovic
sagte nach dem Prozessende, dass er sich ungerecht behandelt
fühle, und dass er das Urteil weiterziehen werde. |