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RUSSLAND: Anti-Gay-Gesetz in St. Petersburg übersteht auch zweite Runde
family image(09.02.12/dom) Ein Gesetz, welches das Propagieren von Homosexualität verbietet, wird in St. Petersburg immer wahrscheinlicher. Das Gesetz hat am Mittwoch die zweite Hürde genommen und damit wäre es künftig verboten, positiv über Homosexualität zu berichten. Davon betroffen wären Schulen und die Medien, auch Veranstaltungen wie die Gay Pride und Präventionsarbeiten würden damit unmöglich. AllOut lancierte dazu eine neue Petition um international Druck zu machen auf Russland...

Russland gibt sich derzeit grosse Mühe wieder ins Mittelalter zurück zu fallen. Nicht nur waren die vergangenen Präsidentschaftswahlen mehr als fraglich, was immer noch zu wöchentlichen Grossdemonstrationen führt, sondern, auch die freie Meinungsäusserung, sowie die Pressefreiheit wird einmal mehr mit Füssen getreten. Ein Gesetz, welches es verbietet, „Homosexualität zu propagieren“, ist am Mittwoch vom Stadtparlament von St. Petersburg gutgeheissen worden. Und dass es die Politiker mehr als Ernst meinen, zeigt alleine die Tatsache, dass die derzeit festgeschriebene Strafe bei Zuwiderhandlung bereits bei 15‘000 Schweizer Fragen liegt – dies ist rund zehnmal höher als noch im November, als das Gesetz erstmals vorgestellt wurde (gay.ch berichtete).

Wie die Behörden in einer Stellungnahme erklären, sei dieses Gesetz notwendig um die „spirituelle und moralische Entwicklung“ von Minderjährigen zu schützen. Dies stiess jedoch vor allem bei diversen Menschenrechts- und Schwulenorganisationen auf massive Kritik. Dieses Gesetz führe dazu, dass Faschismus quasi legalisiert werde. Weiter kritisieren sie auch, dass im Gesetzestext Homo-, Bi- und Transsexualität mit Pädophilie gleichgestellt wird. Der bekannte Schwulenrechtsaktivist Nikolai Alekseev teilte zudem via Facebook mit, dass das Gesetz mit der gestrigen Zustimmung des Parlaments wohl eingeführt werde, trotz massiven Protesten und der Petition von AllOut. Die dritte Lesung werde nur noch eine formelle Angelegenheit sein, fügte er hinzu.

Auch die LGBT-Organisation Side by Side äusserte schlimmste Befürchtungen: Die Massnahmen führen dazu, dass praktisch alle öffentlichen Events, welche auch nur im Entferntesten mit LGBT-Themen zu tun haben, verunmöglicht werden, und das hat Konsequenzen bis in die Medien und ins Internet. Alle Veröffentlichungen, welche etwa irgendwelche Hilfen für Schwule, Lesben oder Transgender anbieten, werden verunmöglicht, schreibt die Organisation. Doch das Gesetz in St. Petersburg, welches an jenes der russischen Provinzen Ryazan und Kostroma (gay.ch berichtete) angelehnt ist, wird wohl noch nicht die letzte Aktion in Russland in diese Richtung sein, denn auch in Moskau wird derzeit ein solcher Gesetzesentwurf aufgegleist (gay.ch berichtete). Damit ist der Weg nicht mehr weit, bis solche Bedingungen auf das ganze Land ausgeweitet werden. Homosexualität wurde erst 1993 vom damaligen Präsident Boris Jeltsin legalisiert, aber an der weit verbreiteten Homophobie hat sich seither kaum etwas geändert.

Durch die neusten Entwicklungen in St. Petersburg, ist es umso wichtiger, dass der internationale Druck weiter erhöht wird. Der Hohen Vertreterin der EU für Aussen- und Sicherheitspolitik, Catherine Ashton, wurden im vergangenen Dezember 250'000 Unterschriften überreicht, damit sie sich in Russland aktiv für die LGBT-Community einsetzt. Ashton versprach damals, dass sie diesbezüglich direkt auf Wladimir Putin zugehen werde (gay.ch berichtete).

Um international den Druck zu erhöhen, wurde auch von AllOut eine Onlinepetition aufgegleist, mit welcher derzeit bald 270'000 Unterschriften gesammelt wurden: Es würde uns freuen, wenn auch Du die Kampagne mit deiner Unterschrift unterstützen würdest - TAKE A STAND FOR RUSSIA! Hier gehts zur Petition: LINK
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