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RUSSLAND: Moskaus Bürgermeister Luschkow entlassen
family image(28.09.10/dom) Ob es nun endlich auch zu einem Wandel in der Politik gegenüber Schwulen und Lesben kommt? Der russische Präsident Dmitri Medwedew hat am Dienstag den Bürgermeister der Hauptstadt Moskau, Juri Luschkow, entlassen. Dieser war für seine homophoben Äusserungen in der Öffentlichkeit bekannt und er setzte sich auch immer mit all seiner Macht dafür ein, dass in Moskau keine Gay Pride stattfinden kann.

Mal abgesehen von Vladimir Putin und dem russischen Präsident Dmitri Medwedew, ist der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow einer der einflussreichsten Politiker Russlands. Doch er hat sich nun wohl etwas übernommen: Via einem Zeitungsartikel hat er sich mit dem Kreml, und vor allem mit Medwedew angelegt, und dieser hat ihn nun entlassen. Lange wurde spekuliert, wann und ob der russische Präsident diesen Schritt wagt, und am Dienstag hat er seine Entscheidung nun öffentlich verlauten lassen.

Doch nicht nur dieser Zeitungsartikel war verantwortlich für die Entlassung. Nicht minder dazu beigetragen haben dürfte auch die Amtsausübung von Luschkow. So wurde ihm unter anderem auch Korruption vorgeworfen. Seine Frau ist die reichste Frau Russland, und zu diesem Reichtum soll der Bürgermeister nicht gerade wenig dazu beigetragen haben. Sie ist Bauunternehmerin und soll Projekte von Luschkow selber in der Höhe von mehreren Milliarden Franken erhalten haben, heisst es Berichten zufolge. Zudem wurde Juri Luschkow auch stets für seine unsensible, rücksichtslose Politik kritisiert. Als etwa die verheerenden Waldbrände rund um Moskau wüteten verbrachte der Bürgermeister seine Ferien in Österreich, und er sah es als nicht notwendig an diese aufgrund der prekären Lage abzubrechen um in die Hauptstadt zurück zu kehren.

Auch vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg sind Klagen hängig, welche auf das Handeln von Juri Luschkow zurückzuführen sind. So unter anderem, weil er seit zahlreichen Jahren jeweils die geplante Moscow Pride offiziell verbietet. Dies verstosse gegen das Recht auf Meinungsfreiheit, erklärten die Veranstalter der Pride und klagten den Bürgermeister an. In der vergangenen Woche organisierte eine Schwulen- und Menschenrechtsorganisation eine Demonstration gegen den Bürgermeister, der an diesem Tag Geburtstag hatte. Sie protestierten gegen die homophoben Äusserungen, die Juri Luschkow immer wieder öffentlich machte. Doch der Bürgermeister hat offenbar wieder vorgesorgt, denn erneut waren etwa hundert Polizisten vor Ort, welche gegen die Schwulen und Lesben mit äusserster Härte vorgingen und rund zehn Personen festgenommen haben. Die Szenen erinnerten an die unbewilligte Gay Pride, bei der die Polizei zahlreiche Teilnehmer festgenommen hat, und andererseits aber auch nur zugeschaut oder gar mitgeholfen hat, als Ultrakonservative, Rechtsextreme und Nationalisten die Gay Pride mit Gewalt sprengten.

Nun, wo Dmitiri Medwedew den Moskauer Bürgermeister entlassen hat, schöpfen auch die Schwulen und Lesben neue Hoffnungen, dass es mit einem neuen Bürgermeister wieder besser wird, und dass endlich eine Moscow Pride offiziell stattfinden kann, denn eines ist klar, schlimmer als jetzt kann es gar nicht kommen...