(03.08.12/dom)
Libanon gilt als liberaler als die meisten anderen
islamischen Staaten in der Region, und es konnte sich sogar eine
kleine Gay Community etablieren. Aber dennoch: Homosexualität
bleibt illegal – dies zeigte sich auch am vergangenen
Wochenende: 36 Männer wurden in einem Pronokino verhaftet.
Der Vorfall spielte sich bereits in der Nacht vom
vergangenen Samstag auf den Sonntag ab, wurde allerdings erst
jetzt öffentlich bekannt. Die Polizei hat in der libanesischen
Hauptstadt Beirut eine Razzia im Kino Plaza durchgeführt,
welches dafür bekannt ist, dass Pornofilme gezeigt werden, und
dass sich auch Männer für Sex mit anderen Männern treffen.
Die Polizei verhaftete dabei 36 Männer und liess sie von einem
Doktor im Analbereich untersuchen. Alle Verhafteten wurden dabei
nicht nur zu dieser erniedrigen Untersuchung gezwungen, sondern,
sie mussten die “Behandlung” durch den Doktor auch noch gleich
selber bezahlen – mit rund 86 Franken. Die
Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch verurteilte die
ganzen Untersuchungen aufs schärfste und sprach dabei von einem
Akt der Folter.
Zwei der 36 verhafteten Männern wurden vom Arzt schliesslich für
„schwul“ befunden und sie sind noch immer in Haft. Sie wurden
zwischenzeitlich in ein anderes Gefängnis verlegt, wo sie nun
auf ihren Prozess warten müssen. Nach Artikel 534 ist
Homosexualität in Libanon nämlich widernatürlich und es droht
ihnen dadurch eine Haftstrafe von bis zu einem Jahr. Ebenfalls
weiterhin in Haft ist der Besitzer des Kinos. Er wird
möglicherweise wegen moralischen Verfehlungen angezeigt, weil er
in seinem Kino Pornofilme vorführte. Das Kino wurde zudem von
den Behörden geschlossen. Die anderen 33 Männer, welche
mittlerweile wieder freigelassen wurden, sind allerdings auch
noch nicht ganz aus dem Schneider: Auch bei ihnen besteht nach
wie vor die Möglichkeit, dass sie angeklagt werden.
Der Vorfall, welcher von Gay Star News international öffentlich
gemacht wurde, sorgte in Libanon für grosse Schlagzeilen. Zudem
wurde auch eine Debatte losgetreten, ob Homosexualität generell
legalisiert werden solle. Wichtige Medien im Lande haben die
Verhaftungen zudem unter dem Gesichtspunkt der Menschenrechte
behandelt und entsprechend Kritik am Vorgehen der Polizei
geäussert.
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