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JAMAIKA: Obdachlosenheim für LGBT-Jugendliche musste schliessen
family image(09.10.12/dom) Homophobie ist in Jamaika sehr weit verbreitet, und daher überrascht es kaum, dass viele Jugendliche von ihren Eltern auf die Strasse gestellt werden, wenn sie sich zuhause outen. Um diese LGBT-Jugendlichen hat sich ein Obdachlosenheim gekümmert, doch dieses musste nun vor allem auf Druck von Behörden und der Medien schliessen!

Die Vorwürfe waren eindeutig homophob motiviert und mit den weit verbreiteten Klischees auf der Insel gespickt: Die Jugendlichen hätten sehr schlechtes Benehmen an den Tag gelegt, hiess es seitens der Polizei in der Hauptstadt Kingston. Sie seien selber schuld und müssten lernen, sich zivilisiert zu benehmen. In der Presse wurde ebenfalls Stimmung gegen das Obdachlosenheim gemacht, und die Bewohner wurden als "Rowdy Gays" betitelt. Die Behörden warfen den Jugendlichen zudem vor, dass sie sich als Stricher in den Strassen der Hauptstadt Kingston anbieten würden. Durch diese Berichterstattung mit meist frei erfundenem Inhalt wurde der Druck immer höher gegen das Heim, bis die Betreiber, die Organisation "Jamaica Forum for Lesbians, All-sexuals & Gays" (J-FLAG), schliesslich aufgeben und das Obdachlosenheim schliessen mussten. Neben dieser Stimmungsmache war jedoch auch die mangelnde Unterstützung durch die Behörden und den Staat und die daraus resultierenden, finanziellen Schwierigkeiten verantwortlich für die Schliessung.

Die Verzweiflung bei den Jugendlichen war enorm, denn die meisten wissen nun nicht, wohin sie gehen sollen. Neben den Mitarbeitern von J-FLAG wohnten rund zwanzig, schwule Jugendliche, meist noch im Teenageralter oder anfangs Zwanzig in diesem Gebäude. Die Bewohner erklärten, dass sie Essen, Kleider und ein Dach über dem Kopf brauchen - und dies fehle ihnen nun alles. Obwohl die Jugendlichen selber auch sämtliche Hebel in Bewegung setzten, gibt es derzeit keine Hoffnung für die Wiedereröffnung des Heims.

Dass das Obdachlosenheim einem Bedürfnis entspricht, zeigte der grosse Zulauf: Viele Familien werfen ihre Kinder aus dem Haus, sobald sie von deren Homo- oder Transsexualität erfahren. Sie werden an den Rand der Gesellschaft gedrängt, von den Schulen ausgeschlossen und haben keine Möglichkeit auf eine Ausbildung oder einen Job. J-FLAG kritisierte die Behörden auch dahingehend scharf, dass es nun noch schwieriger werde, diese Jugendlichen in Bezug auf HIV und Aids aufzuklären. Homosexualität an sich ist in Jamaika nicht illegal, aber der gleichgeschlechtliche Geschlechtsakt steht unter Strafe. 
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