(18.10.12/dom)
Er hat sich entschieden, die “Wahrheit zu verraten” und sich
via Facebook als schwul geoutet: Damit sorgte der katholische
Priester Don Mario Bonfanti für mächtigen Wirbel in Italien.
Erneut hat die katholische Kirche einen “Skandal”: Das
öffentliche Outing von Don Mario Bonfanti erschüttert die Kirche
einmal mehr in ihren Grundfesten. Pünktlich zum Internationalen
Coming Out Day liess der katholische Priester die Katze aus dem
Sack und verkündete via Facebook, dass er schwul sei, oder
besser, er sei ein glücklicher, schwuler Priester. Später
doppelte der 41-Jährige nach, dass die Wahrheit einem frei
mache, wie es schon Jesus gesagt habe. Komischerweise verneine
die Kirche dies, fügte er hinzu. Katholische Schwule, Lesben und
Transgender sollen sich outen, fordert er, denn sie müssen die
Wahrheit akzeptieren.
Es ist nicht das erste Mal, dass Don Mario Bonfanti in den
italienischen Schlagzeilen ist. So wurde er im März, also lange
vor seinem Outing, von der Kirchgemeinde Brianza in der
Lombardei entlassen, nachdem er sich für die Öffnung der Ehe für
gleichgeschlechtliche Paare ausgesprochen hatte. Die Gläubigen
der Gemeinde standen damals zu ihm, doch der Bischof liess nicht
mit sich reden und versetzte Bonfanti nach Pagnano in der Nähe
von Lecco, ebenfalls in der Lombardei. Nach seinem öffentlichen
Outing scheint sich die Geschichte nun offenbar zu wiederholen.
Wieder stellen sich die Gläubigen hinter ihren Priester und sie
gründeten unter dem Titel „Io sto con don Mario“ (zu Deutsch:
„Ich unterstütze Don Mario“) eine eigene Facebook-Gruppe, welche
bereits über 1‘200 Mitglieder supporten. Ob der Bischof ihn
diesmal wieder versetzt oder ihn gar aus der Kirche entlässt,
ist noch offen.
Katholische Geistliche, welche sich getrauen, sich öffentlich zu
outen, sind nach wie vor eine grosse Seltenheit. Dies hat nicht
zuletzt damit zu tun, da sie mit diesem Schritt ihre gesamte
Existenz aufs Spiel setzen. Die Katholische Kirche ist nämlich
bekannt dafür mit schwul-lesbischen Kirchenvertretern kurzen
Prozess zu machen.
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