ITALIEN: Symbolische Homo-Ehe spaltet das Land
family image(25.09.12/dom) Es war nur symbolisch, doch die Aufruhr war gewaltig. Ein Politiker verheiratete zwei Frauen in einem Spital in Bologna, und damit brachte er nicht nur die Kirche gegen sich auf, sondern auch zahlreiche Politiker.

Ida und Mariagrazia sind seit langem ein Paar, doch sie durchleben momentan eine sehr harte Zeit. Mariagrazia leidet an einer unheilbaren Krankheit und ist deshalb im Seragnoli Spital zur Behandlung. Hoffnung gibt es allerdings kaum mehr. Sergio Lo Giudice, ein lokales Regierungsmitglied, kennt die Geschichte der beiden Frauen und hat sich daher zu einem ungewöhnlichen Schritt entschieden. Er besorgte sich die offizielle Uniform eines lokalen Bürgermeister, und verheiratete Ida und Mariagrazia kurzerhand im Spital. Rechtlich hatte diese symbolische Zeremonie kein Gewicht, denn nach dem italienischen Gesetz können gleichgeschlechtliche Paare weder heiraten noch eine Eingetragene Partnerschaft eingehen.

Doch trotzdem: Obwohl die Zeremonie nur symbolischen Charakter hatte, sorgte sie für hohe Wellen. Besonders bei der katholischen Kirche war man ob dem Vorgehen von Sergio Lo Giudice empört. So erklärte Bischof Giovanni Silvagni, dass dies gegen die Natur und gegen das Gesetz sei. Die "Partito Democratico" wiederum zeigt sich gespalten. So erklärte etwa der schwule Abgeordnete Benedetto Zacchiroli, dass die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare äusserst wichtig sei, aber diese habe das Ganze ins lächerliche gezogen.

Ganz anders sieht es Sergio Lo Giudice selber, welcher früher der Präsident der italienischen LGBT-Organisation Arcigay war: Er habe mit diesem Schritt Ida und Mariagrazia glücklich gemacht. Dies sei so wichtig für sie und für ihn gewesen. Er habe die beiden Frauen zudem verheiratet, nachdem er all die Europäischen Gesetze und Entscheidungen gelesen habe, welche die Ehe für schwullesbische Paare gesetzlich stützen.
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