(06.08.10/dom)
Erneut wurde im Iran ein Mann in die Todeszelle gesteckt,
weil er angeblich schwul sei und einen Mann vergewaltigt haben
soll. Der 18-jährige Ebrahim Hamidi wurde am 21. Juni 2010 zum
Tod durch den Strang verurteilt. "Gay Middle East" und "Outrage"
rufen nun zu internationalen Protesten gegen die Behörden im
Iran auf, weil das Gericht auf der Vollstreckung des Urteils
beharrt, obwohl das angebliche Opfer mittlerweile gestanden hat,
dass alles frei erfunden ist...
Der Prozess verlief äusserst fragwürdig: Falsche
Anschuldigungen, keine wirkliche Vertretung durch einen Anwalt
und dazu noch ein Kläger, der nun zugegeben hat, dass er vor
Gericht gelogen und der Fall frei erfunden ist. Doch das Gericht
lässt sich trotz alledem nicht von seinem Urteil abbringen, und
will den Fall nicht nochmals neu aufrollen. Ebrahim Hamidi sitzt
weiterhin in seiner Todeszelle und das Urteil - Tod durch
Erhängen - kann jederzeit vollstreckt werden. Dem 18-jährigen
Iraner wurde vorgeworfen, dass er einen anderen Mann
vergewaltigt haben soll. Dem voraus soll es einen Streit
zwischen dem angeblichen Opfer und der Familie von Ebrahim
Hamidi gegeben haben. Zusammen mit drei weiteren angeblichen
Tätern wurde er kurz darauf von der Polizei festgenommen, und
sie mussten sich vor Gericht verantworten.
Der Anwalt von Hamidi, Mohammad Mostafaei, richtet jedoch
schwerwiegende Vorwürfe an die Polizei: Ebrahim Hamidi und die
drei anderen jungen Männer seien während der Vernehmung an den
Füssen aufgehängt und geschlagen worden, solange bis sie das
ihnen vorgeworfene gestanden haben. Auch sei während dem Verhör
ein Glastisch zu Bruch gegangen, was ebenfalls viel über die
Härte der Folter aussagt. In den ersten beiden Prozessen wurden
alle vier angeblichen Täter zum Tode verurteilt. Beim folgenden
dritten Prozess wurden schlussendlich drei der Täter
freigesprochen, nicht aber Hamidi.
Die Willkür die in diesem Urteil mitspielt, ist schockierend.
Zwei der fünf am dritten Prozess beteiligten Richter waren
nämlich von der Unschuld Ebrahim Hamidis überzeugt und wollten
ihn freisprechen. Dies, nachdem das angebliche Opfer vor Gericht
gestanden hat, von seinen Eltern aufgrund des Streits zwischen
den Familien zu dieser Falschaussage gedrängt worden zu sein. Im
Weiteren wurde auch der Anwalt von Hamidi zum Untertauchen
gezwungen, nachdem gegen ihn aus nicht bekannten Gründen ein
Haftbefehl erlassen wurde. Damit ist Ebrahim Hamidi derzeit ohne
Anwalt der Justiz-Willkür völlig ausgeliefert. Das Oberste
Gericht im Iran hat das Urteil des lokalen Gerichts in der
Provinz East Azerbaijan zweimal abgelehnt und eine
Wiederaufnahme des Prozesses gefordert, doch die Richter haben
diese Weisungen ignoriert und halten am Urteil, welches
jederzeit vollstreckt werden kann, fest.
In seinem Statement auf "Gay Middle East" erklärt Dan Littauer,
ein Redaktor der Plattform, dass es keine Beweise dafür gebe,
dass Ebrahim Hamidi schwul sei, oder dass er überhaupt ein
Verbrechen begangen habe. Weiter forderte er internationale
Hilfe an um gegen diese Exekution zu protestieren. Dem Aufruf um
Hilfe hat sich auch die britische, schwullesbische
Menschenrechtsorganisation "Outrage!" angeschlossen. Wie Peter
Tatchell von "Outrage!" schreibt, bestehen die besten Chancen
das Leben von Ebrahim Hamidi zu retten, wenn der iranischen
Justizminister Sadeq Larijani sein Veto in Bezug auf die
Exekution einreichen würde.
Die beiden Organisationen, "Gay Middle East" und "Outrage!",
fordern die Gay Community auf, in ihren jeweiligen Ländern an
die Botschafter und Aussenministerien zu schreiben, damit diese
wiederum die Behörden in Iran zum Eingreifen bewegen. Eine
globale Kampagne biete die grösstmöglichen Aussichten auf
Erfolg. Im Iran werden immer wieder Männer zum Tode verurteilt,
weil sie angeblich homosexuell sind oder sich an Männern
vergriffen haben sollen.
Link zum Bericht von "Gay Middle East":
Link
Facebook-Gruppe zur Unterstützung von Ebrahim Hamidi:
Link 1,
Link 2 |