(29.11.10/dom)
Es ist nach wie vor ein grosses Tabu in Indien:
Homosexualität. Doch langsam gibt es zaghafte Entwicklungen in
Richtung mehr Toleranz und Akzeptanz gegenüber Schwulen und
Lesben. Zum ersten Mal seit die gleichgeschlechtliche Liebe im
Jahr 2009 legalisiert wurde, fand nun am Sonntag in der
indischen Hauptstadt New Delhi wieder eine Gay Pride statt.
Es gab bereits zweimal eine Art "Gay Prides" in Indien,
damals waren es aber noch Protestaktionen gegen das bestehende
Gesetz, welches Homosexualität kriminalisierte. Das Gesetz
stammte noch aus der Kolonialzeit und wurde erst im Juli 2009
nach neun Jahren Debatten und Prozessen durch das Oberste
Gericht aufgehoben. Aus diesem Grund erstaunt es kam, dass bei
der ersten Gay Pride seit der Legalisierung am vergangenen
Sonntag bedeutend mehr Schwule und Lesben auf die Strasse gingen
als zuvor. Rund 2'000 Teilnehmer schätzten die Organisatoren,
liefen durch die indische Hauptstadt New Delhi um für mehr
Toleranz zu werben, denn trotz der Legalisierung bleibt die
indische Bevölkerung mehrheitlich sehr konservativ in diesen
Belangen und Homosexualität wird im Alltag nach wie vor stark
tabuisiert.
Wie die Veranstalter verlauten liessen, sei es besonders schön
gewesen, dass nicht nur viele Schwule, Lesben und Transgender an
der Pride mitgelaufen sind, sondern auch zahlreiche
Familienmitglieder und Freunde, welche der Community damit ihre
Unterstützung gezeigt haben. Es fühle sich grossartig an, sich
selber sein zu können, und nicht immer vorgeben zu müssen,
jemand anderes zu sein, erklärten sie weiter. Mit den Protesten
wollen die Veranstalter verstärkt für ihre Anliegen eintreten.
So würden etwa viele Schwule, Lesben und Transsexuelle von ihren
Eltern in die Ehe gedrängt. Auch seien sie immer wieder Gewalt,
auch von Seiten der Polizei, ausgesetzt oder würden bedroht und
erpresst. Dies führe nicht selten bis hin zu Selbstmorden.
Laut den Organisatoren spüre man, dass sich etwas verändere,
besonders in den Städten Delhi, Bangalore und Mumbai. Während es
vor 18 Monaten, also vor dem Urteil des Obersten Gerichts,
welches Homosexualität legalisierte, in der Millionenmetropole
Delhi gerade mal eine Bar gab, in der sich die Gay Community
traf, so organisieren heute zahrleiche Diskotheken und Clubs in
der Stadt Gay Nights, um an der "Pink Rupee" mitzuverdienen.
Besonders Jugendliche hätten keine Probleme mit Schwulen, Lesben
und Transgender, aber es wird wohl noch mindestens zehn Jahre
dauern, bis die gesamte Bevölkerung Homosexualität mehr oder
weniger akzeptiert. |