(12.07.12/dom)
Der indische Staat unternimmt derzeit alles, um das Ansehen
Gandhis zu bewahren: So kaufte die Regierung Briefe, welche
Gandhi an seinen angeblichen schwulen Lover geschrieben hat, und
ein Buch, welches daraus zitierte wurde in zahlreichen Provinzen
verboten. Ob dies die Gerüchte zum Verstummen bringen wird, ist
allerdings fraglich...
In den besagten Briefen beschreibt Mahatma Gandhi den
deutsch-jüdischen Bodybuilder und Architekten, Hermann
Kallenbach, als „die Liebe seines Leben“, und dies führte dazu,
dass über eine mögliche Homosexualität des indischen
Menschenrechtsaktivisten spekuliert wurde. Veröffentlicht wurden
diese Briefe in einer Biografie von Pulitzer-Preis-Gewinner
Joseph Lelyveld, welche im vergangenen Jahr unter dem Titel
„Great Soul: Mahatma Gandhi and His Struggle With India“
erschienen ist. Die Antwort kam postwendend: Die indische
Regierung reagierte empört über die Publikation und einige
Provinzen liessen gar die Veröffentlichung verbieten und setzten
das Buch auf den Index.
Doch auch die indische Regierung liess die Sache nicht auf sich
beruhen und tut alles um das Ansehen von Gandhi zu schützen,
denn falls sich dessen angebliche Homosexualität tatsächlich
erhärten würde, dann würde dies für einen handfesten Skandal
sorgen. Homosexualität gilt in Indien nach wie vor als illegal
und wird von der Gesellschaft nicht akzeptiert, entsprechend
verbreitet ist daher auch Homophobie. Aus diesem Grund nutzte
die indische Regierung nun die Gelegenheit und ersteigerte
kurzerhand das Gandhi/Kallenbach-Archiv für rund 1.26 Millionen
Schweizer Franken an einer Auktion von Sothebys in London. Dies
beinhaltet neben über 1‘000 Briefen, Dokumenten und Telegrammen,
welche die beiden Männer zwischen 1905 und 1945 austauschten,
auch einige persönliche Geschenke, welche Mahatma Gandhi über
die Jahre Hermann Kallenbach schenkte. Auffällig ist dabei das
Statement, welches das indische Kulturministerium zum Kauf
veröffentlichte: Die Entscheidung sei gefallen, nachdem Experten
das Archiv, welches hauptsächlich aus Briefen zwischen den
beiden Männern besteht, ausführlich studiert und gesichtet haben
und sie darauf zum Schluss gekommen seien, dass der Kauf eine
Angelegenheit von höchster Wichtigkeit sei.
Die indische Regierung hofft nun mit diesem Schritt, dass sie
dieses Archiv unter Verschluss halten kann, und dass damit auch
die Gerüchte um die angebliche Homosexualität von Gandhi
verstummen werden. Doch dem dürfte wohl nicht so sein...
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