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DEUTSCHLAND: Homophobe Äusserung bringen Katherina Reiche unter Druck
family image(24.08.12/dom) Neben der aktuellen Euro-Krise seien gleichgeschlechtliche Paare die grösste Bedrohung für die Entwicklung und den Wohlstand Deutschlands: Mit solchen Äusserungen löste Katherina Reiche, ihres Zeichens CDU-Bundestagsabgeordnete, Staatssekretärin und ehemalige Familienministerin in spe, grosse Empörung aus – auch in der eigenen Partei.

Diverse Organisationen fordern ein rasches Handeln, dass sich die Parteispitze der CDU und insbesondere Bundeskanzlerin Angela Merkel von den Äusserungen, welche Katherina Reiche in der „Bild“ verbreiten liess, distanziert. So wurde auch eine Onlinepetition aufgeschalten, mit welcher Reiche zum Rücktritt gezwungen werden soll. Innert kürzester Zeit haben sich bereits mehrere Tausend eingetragen. Und die Facebook-Gruppe “Keine Zukunft mit Katherina Reiche…” hatte bereits am ersten Tag 6000 Mitglieder. Aber auch für Katherina Reiche persönlich hatten die Äusserungen erste Konsequenzen: Die Politikerin musste ihr Facebook-Profil kurzerhand schliessen – doch die gegen ihre Person gerichtete Empörung hat längst neue Wege gefunden.

Stein des Anstosses sind Äusserungen von Katherina Reiche gegenüber der „Bild“-Zeitung. So liess sie sich in einem Interview mit folgenden Sätzen zitieren: „Unsere Zukunft liegt in der Hand der Familien, nicht in gleichgeschlechtlichen Lebensgemeinschaften. Neben der Euro-Krise ist die demografische Entwicklung die grösste Bedrohung unseres Wohlstands.“ Und weiter auch noch mit: „Die Union muss ganz klar sagen, dass sie auf Familie, Kinder, Ehe setzt. Die Gesellschaft wird nicht von kleinen Gruppen zusammengehalten, sondern von der stabilen Mitte.“

Auch unter ihren Parteikollegen löste die CDU-Bundestagsabgeordnete damit teils heftige Reaktionen aus. So schreibt Jens Spahn, selber Bundestagsabgeordneter, via Twitter, dass er sein Leben nicht indirekt als Bedrohung für den Wohlstand diffamieren lasse. Seine Kollegin sei damit zu weit gegangen. Andere CDU-Politiker versuchten sich in Schadensbegrenzung und erklärten in öffentlichen Statements, dass Reiche mit ihrer Haltung innerhalb der Partei auf weiter Linie alleine sei.

Noch unverständlicher sind die Äusserungen von Katherina Reiche, wenn man auf ihre eigene Vergangenheit blickt. Hat die Politikerin doch ebenfalls lange kein Leben geführt, welches ihrem nun proklamierten Weltbild entspricht. So war die Mutter dreier Kinder bis nach der Geburt ihres zweiten Kindes unverheiratet, was sie nicht zuletzt in Ungnade beim damaligen CSU-Chef Edmund Stoiber fallen liess. In dessen einstigen Schattenkabinett hatte sie das Familienressort inne, doch Stoiber entzog ihr dieses darauf im Jahr 2002, da viele Parteimitglieder der Meinung waren, dass ihre Familienumstände nicht mit den Parteiansichten übereinstimmen.

Wie die „Berliner Zeitung“ zudem schreibt, haben die Äusserungen von Katherina Reiche auch noch eine weitere Dimension: Die Politikerin ist nämlich Staatssekretärin im Bundesumweltministerium. Dessen Minister und damit ihr Vorgesetzter heisst Peter Altmaier, und über dessen Sexualität wird seit geraumer Zeit immer wieder spekuliert. Auf die Frage in einem Interview mit dem „Stern“ erklärte Altmaier, dass er alleine lebe – ohne Partner oder Partnerin, ohne Kinder. Er sei Zeit seines Lebens Single und er habe trotzdem das Gefühl ein vollwertiger Mensch zu sein. Es wird ist also spannend, wie auch Altmaier auf die Aussagen Reiches reagieren wird.

Der Fall von Katherina Reiche macht deutlich, dass es bezüglich der Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paar einen tiefen Graben innerhalb der CDU gibt. Dies zeigte bereits das vor kurzem gefällte Urteil des Bundesverfassungsgericht betreffend dem Thema Steuer-Splitting (gay.ch berichtete). Die Richter bestimmten, dass auch gleichgeschlechtliche Paare in einer Eingetragenen Partnerschaft von dieser Steuererleichterung profitieren sollen. Während sich die Bundeskanzlerin vor dem Urteil dagegen ausgesprochen hatte, erklärte sich die derzeitige Familienministerin Kristina Schröder, ebenfalls von der CDU, für dafür.
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