(26.06.12/dom)
Am Sonntag ist Gad Beck, der letzte bekannte, schwule
Holocaust-Überlebende, im Alter von 88 Jahren in einem
Seniorenheim in Berlin gestorben. Er war ein bedeutender
Vorkämpfer für die Rechte der LGBT-Community in Deutschland,
insbesondere auch nach dem Zweiten Weltkrieg.
Die wohl wichtigste Entscheidung in seinem ganzen Leben traf
Gad Beck während dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland, als er
sich die Uniform der Hitlerjugend schnappte, um so in ein
Konzentrationslager einzudringen und seinen jüdischen
Lebenspartner Manfred Lewin zu befreien, welcher dorthin
verschleppt wurde, weil er seine Familie nicht im Stich lassen
wollte. Die Nazis haben später aber die gesamte Familie Lewin
nach Auschwitz gebracht, wo sie alle umgebracht haben. Auch Gad
Beck kam in Gefangenschaft: Er wurde anhand der Kategorisierung
der Nationalsozialisten als „Mischling“ eingestuft, da sein
Vater ein Jude aus Österreich war, und seine Mutter zum Judentum
konvertierte. So wurde er zusammen mit seinem Vater verhaftet
und in die Rosenstrasse im Zentrum Berlins gebracht. Nachdem
aber nicht-jüdische Frauen eine grossangelegte Protestaktion in
der Rosenstrasse organisierten und Tausende dem Aufruf folgten, wurde
Beck aus der Haft entlassen und damit entkam er der Deportation.
Kurz nach seiner Freilassung trat Gad Beck der Chug Chaluzi bei,
einer Untergrundorganisation bestehend aus Jugendlichen, welche
sich um die noch nicht deportierten Juden in Berlin kümmerten.
Er spielte eine Schlüsselrolle in der Organisation, wurde dann
aber zusammen mit anderen Mitkämpfern von einem jüdischen Spion,
welcher für die Gestapo arbeitete, kurz vor Ende des Zweiten
Weltkriegs verraten. Er wurde erneut verhaftet, doch das
Kriegsende rettete ihm schlussendlich das Leben. Auch danach
arbeitete Gad Beck weiter in der Organisation, diesmal ging es
aber vor allem darum, den jüdischen Überlebenden eine Emigration
nach Palästina zu ermöglichen. Auch Gad Beck reiste damals nach
Israel und lebte dort von 1947 bis 1979.
Nach seiner Rückkehr nach Deutschland war er aktiv
in der jüdischen Gemeinschaft in Berlin, und wurde dabei auch zum
Leiter des Jüdischen Zentrums für Erwachsenenbildung ernannt. Um
anhand seiner Geschichte auf die Thematik der Verfolgung der
Juden und der Homosexuellen vor und während dem Zweiten
Weltkrieg aufmerksam zu machen, engagierte er sich auch bei
Filmprojekten. So war er Teil des Films „Das Leben von Gad Beck“
und auch für einen Dokumentarfilm mit dem Titel „Paragraf 175“
stellte er sich zur Verfügung. Der Paragraf 175 im deutschen
Strafgesetz stellte Homosexualität unter Strafe und wurde am 1.
Januar 1872 eingeführt. Von den Nazis wurde der Paragraf später
immer weiter verschärft bis hin zur Deportation. Der wieder
abgeschwächte Artikel wurde erst 1994 nach der
Wiedervereinigung auch in den alten Bundesländern ersatzlos
gestrichen.
Am Sonntag verstarb Gad Beck nur sechs Tage vor seinem 89.
Geburtstag in einem Seniorenheim in Berlin. Er gilt als der
letzte bekannte, homosexuelle Holocaust-Überlebende. Damit
verliert die Welt einen einzigartigen Zeitzeugen, welcher
jeweils auch am CSD in Berlin teilnahm. Er war bekannt für seine
lebendigen Reden über seine Geschichte, und er setzte sich stets
mit Vehemenz gegen das Vergessen ein.
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