(24.07.12/dom)
Die homophobe Gewalt ist in der deutschen Hauptstadt im
Zunehmen begriffen, berichtet das schwule Anti-Gewalt-Projekt
Maneo. Erst am vergangenen Wochenende wurden wieder zwei Schwule
verprügelt. Besonders die Dunkelziffer sei extrem hoch: 90
Prozent aller Übergriffe werden demnach nicht angezeigt…
Im Jahr 2010 waren es 415 Fälle, und im vergangenen Jahr
stieg die Zahl der gemeldeten, homophoben Übergriffe leicht an
auf 422 Fälle, berichtet Maneo, das schwule Anti-Gewalt-Projekt
in Berlin. Dabei ist es aber weniger die leichte Zunahme der
Fälle, welche sorgen bereitet, als vielmehr die extrem hohe
Dunkelziffer und die gesunkene Aufklärungsquote. So spricht
Maneo bei den gemeldeten Fällen auch nur von der Spitze des
Eisbergs, denn geschätzte 90 Prozent aller Übergriffe werden
nämlich nicht zur Anzeige gebracht oder nicht als homophobe
Gewalt erkannt. Während die Aufklärungsquote der Fälle im Jahr
2010 zudem noch rund 41 Prozent betrug, sank sie im Jahr 2011
auf noch 33 Prozent. In Bezug auf die Stadtbezirke liegt
Schöneberg mit 27 Prozent der Fälle an erster Stelle, gefolgt
von Kreuzberg mit 17 Prozent.
Jüngstes Beispiel vom vergangenen Sonntag spielte sich ebenfalls
in Berlin-Schöneberg ab. Die beiden Opfer, 23 und 37 Jahre alt,
wurden an der Fuggerstrasse vor einem Imbiss zuerst beleidigt
und dann mit Essen beworfen. Als die beiden Männer nicht
reagierten und einfach weiterliefen, wurden sie von den stark
betrunkenen Tätern verfolgt. An der Ecke Martin-Luther- und
Motzstrasse griffen die Täter schliesslich auch mit körperlicher
Gewalt an und verprügelten die beiden Schwulen. Auch als ihnen
die Flucht in ein Restaurant gelang, hielten die Täter nicht von
ihnen ab. Die beiden Männer prügelten auch im Restaurant weiter
auf ihre Opfer ein, bis der 37-jährige Mann schliesslich
bewusstlos zu Boden ging. Erst dann liessen die beiden Täter von
ihnen ab und flüchteten. Der ältere Mann musste mit
Gesichtsverletzungen im Spital behandelt werden, während der
23-Jährige Verletzungen an den Beinen erlitt.
Die sofort herbeigerufene Polizei konnte die beiden
mutmasslichen Täter im Alter von 31 beziehungsweise 33 Jahren
nur wenig später festnehmen. Sie wiesen hohe Alkoholwerte von
1.4 respektive 1.7 Promille auf. Mittlerweile wurde gegen sie
ein Haftbefehl erlassen, da sie von den beiden Opfern
zweifelsfrei wiedererkannt wurden.
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