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(13.10.10/dom)
Eine Bundesrichterin hat eine gerichtliche Verfügung erlassen
und damit die seit 17 Jahren andauernde Ungerechtigkeit von „Don’t
Ask, Don’t Tell“ in der US-Armee erneut gekippt. Doch noch ist
das Ganze nicht bei der obersten Instanz angelangt, und es ist
gut möglich, dass das Justizministerium Berufung einlegen wird.
Schwule und lesbische Soldaten in der US-Armee sollen noch zu
warten mit sich öffentlich outen, erklärte die Gay Organisation
„Log Cabin Republicans“, welche seit 2004 mit Klagen über
diverse Gerichtsinstanzen versucht, die „Don’t Ask, Don’t
Tell“-Regel (DADT) aus dem Gesetz zu kippen. Das zuletzt durch
Richterin Virginia Phillips verkündete Urteil sei wohl noch
nicht das endgültige Ende von DADT, denn es muss befürchtet
werden, dass das Justizministerium das Urteil noch nicht
akzeptieren wird, um es bis zur letzten Instanz durchzuziehen –
oder auch um auf Zeit zu spielen. Das Ministerium hat während
sechzig Tagen Zeit dieses Urteil anzufechten. Sowohl aus dem
Verteidigungs- wie auch aus dem Justizministerium gibt es
derzeit keine Anzeichen über die nächsten Schritte. In einer
offiziellen Stellungnahme heisst es lediglich, dass man sich den
Fall genau anschauen werde.
Das Verteidigungsministerium hat jedoch immer eine politische
einer gerichtlichen Lösung vorgezogen. Es wurde jeweils betont,
dass man eine Studie in Auftrag gegeben habe, um herauszufinden,
welchen Einfluss homosexuelle Armeeangehörige auf die Moral und
die Einsatzfähigkeit der Truppe haben, und was die Aufhebung von
DADT für die Streitkräfte bedeuten würde. Die Resultate wurden
für den 1. Dezember angekündigt und danach wollte das Pentagon
die Abstimmung erneut in den Senat bringen. Der Senat hat
nämlich im September entschieden, dass es noch nicht zur
Abstimmung kommen soll, weil die Studie noch nicht vorliegt (gay.ch
berichtete). Das Repräsentantenhaus hat der Abschaffung im
Mai bereits zugestimmt (gay.ch
berichtete). Ob das Verteidigungsministerium nun den Prozess
weiter verzögert und in Berufung geht, damit schlussendlich doch
noch zuerst eine politische vor einer gerichtlichen Lösung
gefunden werden kann, ist ungewiss.
Trotz dieser Unsicherheit zeigen sich die „Log Cabin Republicans“
zuversichtlich. Mit dem Urteil gehöre DADT nun der Geschichte an
und die Regierung wird aufgefordert die nötigen Schritte in die
Wege zu leiten um die Abschaffung dieser Regel umzusetzen,
heisst es seitens der Organisation. Dieses unfaire Gesetz sei
gestoppt und es bestehe die Hoffnung, dass glücklicherweise
schon bald alle Amerikaner ihrem Land dienen können, welche dies
möchten. Von „Servicemembers United“, der grössten Organisation
von schwullesbischen Angehörigen und Veteranen der Streitkräfte,
heisst es, dass dieses Urteil von Richterin Phillips ein
historischer und mutiger Schritt in die richtige Richtung sei,
in einem Prozess, welcher vom US-Kongress immer wieder gebremst
wurde.
Bereits im letzten Monat hat ein Gericht einer lesbischen
Soldatin Recht gegeben, welche gegen DADT geklagt hat (gay.ch
berichtete). Sie wurde aus der Air Force entlassen, weil sie
sich geoutet hat. Die Richter haben dann entschieden, dass die
Streitkräfte die Soldatin wieder einstellen müssen und dass die
Kündigung im Jahr 2004 verfassungswidrig gewesen sei. Die „Don’t
Tell, Don’t Ask“-Regel wurde 1993 durch US-Präsident Bill
Clinton eingeführt. Es war damals ein klassischer Kompromiss.
Bis 1993 war es Homosexuellen generell verboten den
Streitkräften beizutreten, durch die Regel wurde dieses Verbot
dahingehend gelockert, dass Schwule und Lesben zwar beim Militär
arbeiten dürfen, doch dort dürfen sie sich nicht outen. Im
Gegenzug werden sie aber auch nicht nach ihrer Neigung befragt –
eben: Don’t Ask, Don’t Tell. Richterin Virginia Phillips sieht
aber gerade darin eine fundamentale Verletzung der
Persönlichkeitsrechte der schwullesbischen Armeeangehörigen, so
etwa der freien Meinungsäusserung. Seit der Einführung vor rund
17 Jahren wurden bereits rund 14'000 Armeeangehörige aus den
Streitkräften entlassen, weil sie sich öffentlich bei ihrem
Kollegen geoutet haben. Dies kam bei einer Berufsarmee, wie es
die amerikanischen Streitkräfte sind, jeweils einer Entlassung
in die Arbeitslosigkeit gleich…
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